Meine erste Reise

Ein Kater auf Reisen

oder

Der erste Streich

 

Tag 1:

Bochum, NRW bis Wertheim, Bayern

Heute ist der erste Tag unseres großen Abenteuers: Wir fahren mit dem Wohnmobil in der Urlaub! Ja, wir! Meine Wenigkeit, der Katerograf Plinius der immer Ältere und meine Golden Girls Freya und Shasti.

Und weil wir nett sind, dürfen unser Mensch und unsere Menschin auch mit. Wir versammeln uns also alle recht früh vor dem Haus und stürmen das WOMO. Ich bin zuerst da und setzte mich auf den Fahrersitz, aber unser Mensch besteht darauf, dass er fährt und wir drei uns hinten anschnallen müssen. Ja, anschnallen. Tse! Wir müssen ein Geschirr tragen und werden angeschnallt. Wir können jeder zwischen zwei Körbchen wählen, können das Fenster erreichen, aber anschnallen? Wie uncool ist das denn??? Noch schlimmer trifft es unsere Menschen. Die schnallen sich so eng an ihren Sitz, dass sie sich kaum noch rühren.

Während der Fahrt halten wir uns alle tapfer, trotz der Geräusche und dem Gewackel. Wir brauchen nicht lange und schon haben wir uns eingewöhnt. Ich schlafe sogar etwas. Freya macht es schlauer. Sie mosert so lange, bis unsere Menschin sie zu sich auf den Schoss holt. Da kann Freya vorne aus dem Fenster gucken. Mist, auf diese Idee hätte ich kommen sollen!

Als wir endlich in Wertheim ankommen, parken wir vor einem Pralinenladen auf einem Stellplatz. Aus dem Fenster sieht man den riesen Schriftzug: Pralinen und mehr. Warum parken wir nicht vor einer Futterhandlung??

Jetzt haben wir endlich unseren Frieden. Die Menschen gehen shoppen (Ausbeute: 2 Shirts von Desigual in einer Papiertüte. Tüte besteht den Pliniustest nicht, sie zerreißt viel zu schnell. 1 Messerblock mit Messern in einem stabilen Plastikbeutel. Wäre sehr erstrebenswert, kommt aber in den Gepäckraum.)

In der Zwischenzeit erkunden wir unser Wohnmobil. Schon luxuriös, zwei Toiletten (eine im Bad und eine im Kofferraum), eine schöne Stiege ins Bett (bissle schmal, wo sollen unsere Menschen schlafen?) und eine schöne Kuschelfäche für uns wo andere vielleicht einen Tisch hätten.

Kaum haben wir unsere Erkundung abgeschlossen schon sind die Zweibeiner wieder da. Jetzt dürfen wir mit ihm noch vor die Türe, ich will aber gar nicht, sieht nicht gut aus da, mal sehen wo wir morgen sind….

 

Tag 2:

Wertheim, Bayern bis zum Bannwaldsee, Bayern

Guten Morgen, lieber Leser! Obwohl…gut? Wir haben nicht wirklich gut geschlafen. Der hintere Alcoven ist nur 130cm breit und unsere Menschen bestanden darauf auch dort zu schlafe. Zu fünft wurde es dann wirklich kuschelig. Gut das wir unsere dicken Federbetten bei haben. Aber das war wirklich nicht das Problem, das war die Autobahn in Hörreichweite. Nenene, wir sind verwöhnte 30 Zonen Katzen, so was kann man mit uns doch nicht machen! Und als wir protestieren sagen die Menschen doch glatt “Das wird alles wettgemacht durch die Schokoladenmanufactur vor der Türe“ und gehen da Frühstücken. Als sie wiederkommen sind sie noch ganz berauscht von dem Duft frischer Schokolade und wir fahren sofort los, weil weiter im Süden das Wetter besser sein soll.

Die Fahrt ist entspannt. Wir haben uns dran gewöhnt. Nach einem ausgiebigen Schläfchen auf meiner hellblauen Decke sind wir dann auch schon am Ziel: Schloss Neuschwanstein! Und weil unsere Womo da nicht stehen darf fahren wir weiter zum Bannwaldsee und checken auf einem Campingplatz ein. Die Sonne scheint, vorne raus haben wir Blick auf den See und hinten raus sehen wir Berge. Wirklich nett hier. Außerdem läuft hier Essen (Hasen und Enten) rum!!!! Aber ich steige lieber nicht nochmal aus bevor es mich angreift.

 

Tag 3:

Bannwaldsee, Bayern

Heute ist ein sehr guter Tag. Wir haben direkt am Ufer des Sees hervorragend geschlafen. Hier ist alles leise, bis auf die Enten, die quaken sobald es hell wird. Das Wetter ist bombastisch. 20 Grad mindestens, in der Sonne eher mehr und so beschließen wir, genau da zu bleiben wo wir sind. Völlig stressfrei. Wir gucken uns um und unsere Menschin steckt sogar die Füße in den See, warum auch immer. Ich finde den See auch toll und mache eine große Runde um den Wohnwagen, sogar meine Golden Girls kommen raus und gucken sich um oder legen sich in die Sonne. So ist die Welt gut.

 

Tag 4:

Bannwaldsee, Bayern

Kilometer? Also, wir wenige, unsere Menschen behaupten aber, sie hätten einige zurückgelegt. Sie haben uns nämlich ganz lange im Wohnmobil alleine gelassen und haben Schloß Neuschwanstein und Schloß Hohenschwangau besichtigt. Da hat mal ein Ludwig gewohnt, der hat eines von den beiden auch gebaut und dann ist er wahnsinnig geworden, oder auch nicht, aber gestorben ist er trotzdem. Naja, auf jeden Fall waren unsere Zweibeiner total begeistert von der Aussicht und dem Ausblick und den Bergen die sie belaufen haben. Aber die können uns nix vormachen, wir haben genau gerochen, dass sie Essen gegangen sind. Ohne uns! Aber eine ganze Dose Thunfisch nach einem ausgiebigen Gang an den See hat uns wieder versöhnt.

 

Tag 5:

Bannwaldsee, Bayern nach Lindau am Bodensee, Bayern

Heute sind wir echt früh aufgestanden um weiterzufahren. Das Wetter ist nicht mehr ganz so perfekt und wir wollen noch einen anderen See angucken. Auf dem Weg halten wir an einem Schokoladen-Lagerverkauf und an einem Chips-Lagerverkauf. Als gäbe es keine Katzenleberwurstlagerverkäufe! Und dann sind wir auch schon da, in Lindau am Bodensee. Hier sind schon mehr Menschen auf dem Campingplatz, aber wir bekommen noch einen Platz mit Blick auf den See. Auch nett hier. Hier gibt’s Schwäne, Enten habe ich noch keine gesehen, aber eigentlich ist es für einen Spaziergang zu kalt. Regen hängt in der Luft und so genießen wir die Aussicht eher von Innen bis es so stark regnet, das die andere Seite des Ufers nicht mehr zu sehen ist.

 

Tag 6:

Lindau, Bodensee, Bayern

Über St.Gallen, Schweiz

Bis zum Gnadensee (Bodensee), BaWü

Heute ist ein guter Tag, ein sehr guter! Unsere Menschen waren Essen und haben sich lernfähig gezeigt: Sie haben uns Cordon Bleu mitgebracht!

Aber fangen wir vorne an. Als wir wach werden hören wir Regen aufs Dach plätschern, als wir nichts mehr hören denken wir erst: Prima! Aber zu früh gefreut, Schnee hört man einfach nicht aufs Womodach fallen. Also entscheiden unsere, dass wir drinnen bleiben. Wir im Womo, sie in einer Bibliothek. Und dafür fahren wir extra in die Schweiz, nach St. Gallen. Auf dem Weg in die Schweiz fahren wir durch Österreich. Wir drei waren also heute in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Cool, gell? Welche Katze oder welcher Kater kann da schon mithalten?

Doof ist, dass wir auf dem Hin- und Rückweg über diverse Grenzen gefahren sind, aber nirgends unsere neuen Ausweise vorzeigen konnten. Dabei haben wir unsere Ausweise extra für diesen Urlaub bekommen!!!

In der Schweiz müssen wir dann einen Berg hochfahren. Das ist seltsam, die Straßen sind so steil, dass es mich richtig nach hinten in mein Körbchen drückt. Und dann noch die scharfen Kurven! Da drückts uns alle so richtig in die Wolldecken, gut dass wir angeschnallt sind. In St. Gallen schneit es noch mehr, aber das macht nix, denn unsere Heizung ist wirklich toll. Wir genießen einen kurvenfrei Nachmittag in einem schönen warmen Womo und unsere müssen in die Stiftsbibliothek gehen. Da gibt’s die wohl schönste und auch älteste Bibliothek Europas und wir müssen uns ganz viel über Papierherstellung und Dokumente aus Ziegenhaut anhören, und das sie Puschen über die Schuhe ziehen mußten um den antiken Holzboden zu schonen.

Aber dann haben wir alle genug von Schnee und Bergen und fahren zurück an den Bodensee. Genauer gesagt an den Gnadensee, der ein Teil des Bodensees ist. Wir finden einen tollen Campingplatz und stellen uns mal wieder direkt an den See. Wir blicken auf die Insel Reichenau und es hört sogar auf zu regnen.

Unsere Menschen gehen essen und wir bekommen auch was ab, und dann dreht Shasti noch eine Runde ums Womo und guckt sich den See an, obwohl es kalt und nass draußen ist. Ich gucke natürlich auch nach dem Rechten. Ein toller Platz hier.

 

Tag 7:

Gnadensee

Es hat aufgehört zu regnen ist aber immer noch kalt. Außerdem windet es so gewaltig, dass ich kleiner süßer Kater Angst habe weg geweht zu werden. Meine Golden Girls gucken auch nur kurz raus. Sehr ärgerlich dieses Wetter, denn etwa 5 Meter neben dem Womo beginnt ein Naturschutzgebiet, das würden wir gerne näher untersuchen. Aber das lassen wir lieber. Wir genießen die Aussicht aus dem warmen, windgeschützten Alcoven, den Blick über den See und die schnell hinwegziehenden Wolken.

Meine Menschin bittet um eine Ergänzung zum gestrigen Tag: Sie hat das Wohnmobil in einer kleinen Parklücke an einem steilen Berg in St. Gallen eingeparkt. Rückwärts! Sie, und nicht Shastis männlicher Mensch. (Warum sie das unbedingt erwähnt wissen will, ist mir schleierhaft. Ich habe nie an ihr gezweifelt, Sie etwa, lieber Leser?)

Außerdem ist es uns allen ein Anliegen, Euch mitzuteilen, dass die Schweizer wirklich tolle Straßenschilder haben. Sie haben zwar die weltberühmte Stiftsbibliothek in St. Gallen nicht wirklich ausgeschildert, aber sie bitten die Menschen „Augenkontakt“ zu suchen, um ein freundliches Miteinander im Straßenverkehr zu gewährleisten. Außerdem weisen sie auf Igel hin und reduzieren wegen den kleinen stacheligen Gesellen sogar die Geschwindigkeit auf großen Straßen. Aber unser Lieblingsschild war: „Müll tötet Tiere“. Sehr wahr, und eigentlich sollten alle das wissen, aber wir fanden es sehr nett, das die Schweizer sich um Tiere solche Gedanken machen.

 

Tag 8:

Vom Gnadensee (Bodensee), BaWü

Über Straßburg, Frankreich

Bis Kappelrodeck,/Waldulm, nördlicher Schwarzwald

Jetzt sind wir echte Camper! Heute Nacht sollen es minus (MINUS!) 8 Grad gewesen sein und es hat uns nicht gestört. Unsere Heizung hat schön gebullert und wir haben es uns gemütlich gemacht. Am Morgen hatten wir sogar wieder ein wenig Sonnenschein. Unsere Menschen haben heute den großartigen Plan gefasst, am Abend einen schönen Wein in einem schönen Weinbaugebiet zu trinken, und daher verlassen wir den wunderschönen Bodensee. Wir fahren einmal quer durch (oder besser über) den Schwarzwald. Auch hier gibt’s Berge mit kurvigen Straßen. Shasti bleibt cool, rollt sich in ihrem Lieblingskorb zusammen und verschläft den Tag. Freya versteckt sich im großen Korb und ich darf auf den Beifahrersitz. Super Blick, ich sag’s Euch, dass ist sowas von der beste Platz hier. Ich werde gekrault und die Welt zieht an mir vorbei ohne dass ich einen Muskel bewegen muss. Wir kaufen auf einem Bauernhof ein (ich kann Leberwurst riechen!) und dann … dann fahren wir nach Frankreich! Das ist so aufregend! Wir müssen zwar wieder keine Ausweise zeigen, obwohl wir welche haben, aber dafür müssen wir mit einer Fähre über den Rhein um nach Frankreich zu gelangen. Jetzt war ich schon in vier Länden und auf einem Schiff!

In Frankreich setzte ich mich wieder nach hinten um aus dem Seitenfenster zu sehen, und so kommt es, dass ich in Straßburg die ganzen Europagebäude angucken kann.

Und am Abend sind wir dann an der nördlichen Spitze vom Schwarzwald, in einem Weinbaugebiet. Da haben unsere Menschen ja Glück.

Wir stehen auf einem Stellplatz mit Stromanschluss mitten auf einem Weinberg und es gibt Fleischkäse zum Abendessen!

 

Tag 9:

Von Kappelrodeck,/Waldulm, nördlicher Schwarzwald

Quer durch Frankreich und das Saarland

Bis nach Perl an der Mosel, Dreiländereck

Der Tag fing gut an, ich habe mich aus dem WoMo geschlichen, und die Zweibeiner waren ganz verdutzt als ich wieder vor der Tür stand und geklopft habe. Aber ich schreibe jetzt hier nicht hin, wie ich ausgebüchst bin lieber Leser, ich hoffe das ist ok, denn ich denke das meine Zweibeiner hier auch mitlesen und dann würden sie ja Wissen wo ich rausgekommen bin, und dann machen sie das hinterher unmöglich und das wäre ja sehr doof.

Heute sind wir viel gefahren. Landstraße durch Frankreich und dann durchs Saarland. In Frankreich haben wir Baguette gespätstückt und dann wurde unsere Menschin ganz hibbelig, weil wir in Mettlach Pause gemacht haben. In Mettlach ist nämlich der Villeroy und Boch Lagerverkauf, und da haben wir sie dann erstmal abgesetzt. Als Shastis Mensch sie dann wieder abgeholt hat, hatten sie ganz viele Tüten. Aber das kennen wir schon: An Tüten mit Glas oder Porzellan dürfen wir nicht rangehen!

Dann sind wir weiter zur Saarschleife. Da macht ein großer Fluss eine Kurve und man kann ihm von oben dabei zugucken. Und netten Wald gibt’s da auch.

Und jetzt zum Abend stehen wir auf einem winzigen Campingplatz am Dreiländereck Deutschland/ Luxemburg/ Frankreich und gucken auf die Mosel. Und direkt hinter der Mosel sehen wir schon Luxemburg. Shasti macht gerade eine große Runde und besichtigt den Platz, ich habe festgestellt, dass das WoMo mindestens 5 Ausgänge hat und die probiere ich jetzt alle nochmal durch.

 

Tag 10:

Von Perl an der Mosel, Dreiländereck

Durch Luxemburg und die Eifel

Bis Gerolstein-Müllenborn am Oosbach, Vulkaneifel

Heute haben wir auch ein paar Kilometer zurückgelegt, allerdings die meisten davon in Luxemburg. Damit erkläre ich mich zum „Weitgereistesten Kater den ich kenne“. Ich war in Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz und Luxemburg. Wenn jemand mir diesen Titel streitig machen möchte, so melde er sich bei mir (plinius@bokult.de) und beweise mir, dass er mehr Länder bereist hat als ich.

In Luxemburg sind wir der Mosel gefolgt und dann der Sauer und haben eine Mittagspause im schönen Echternach verbracht. Dann sind wir zurück nach Deutschland gefahren und haben die Kyll gesucht und gefunden. In diesem Fluss haben viele Generationen der Vorfahren meiner Menschin schwimmen gelernt. Und wo wir schon mal da sind fahren wir uns das Geburtshaus der Oma meiner Menschin angucken. Dann fahren wir noch ein bissle durch die wunderschöne Eifel und genießen die traumhafte Landschaft und die Sonne. Unsere letzte Urlaubsnacht verbringen wir auf einem wunderschön gelegenen Campingplatz in der Vulkaneifel direkt an einem Flüsschen mit dem Namen Osbach. Die Luft hier ist großartig und wir sitzen alle noch etwas vor dem Womo (unsere trinken ein Bitburger, das muss man hier wohl). Shasti und ich stromern durch die Gegend. Dieser kleine Fluss schmeckt gut und muss dringend genauer unter die Lupe genommen werden.

Am Abend machen wir drei Schnurrer noch eine große Runde über die Wiesen und Gärten und Freya und Shasti haben so einen Spaß, dass unsere Menschen sie anpiepen und einsammeln müssen als sie sich in den Alcoven verkriechen wollen. Ich helfe natürlich bei der Suche nach meinen Golden Girls mit und als wir dann alle wieder im Womo sind und die Heizung hochdrehen, machen wir es uns zum letzten mal alle im Alcoven so richtig gemütlich.

 

Tag 11:

Von Gerolstein-Müllenborn am Oosbach, Vulkaneifel

Nach Hause

Heute geht’s heimwärts. Jetzt ist es ja nicht mehr so schlimm das meine Leute mitbekommen wie ich in den letzten Tagen immer wieder aus dem verschlossenen Wohnmobil rausgekommen bin: Sie denken sie sind schlau und Lüften nur mit dem Dachfenster, aber ich bin schlauer! Ich klettere in den Alcoven, mache dann einen mutigen Sprung und hänge mich von unten an den Fensterrahmen der Dachluke. Dann ziehe ich mich hoch und klettere aufs Dach. Vom Dach ist es nur noch ein kleiner Sprung auf die Motorhaube und schon bin ich Draußen. Ich mache also noch eine große Runde über den Platz und erklettere zwei Bäume und dann nehmen wir zum letzten Mal unsere Plätz in unserem schaukelnden Urlaubszuhause ein und wir fahren Heim.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Katerograf