Katergeschichten

Mein Leben in Kurzgeschichtenform

Mein Leben ist aufregend! Oh so aufregend! Das glauben Sie mir nicht, lieber Leser? Hier kommt der Beweis:

 

Kater Plinius und das Rätsel der Koi

 

Gestatten: Plinius. Kater Plinius der immer Ältere. Ich bin meines Zeichens Katerograf. Das ist die sehr gekonnte Mischung aus einem felinen Schnurrer und einem Künstler an der Fotokamera. Ich bin ein Unikat und im Ich sein bin ich der Beste. Und das nicht nur in meinem Revier. Ich gehe so weit zu sagen: Ich bin der beste Katerograf überhaupt. Ich besitze eine eigene Kamera und mit ihr schaffe ich Kunst. Stundenlang streife ich durch mein Revier für den perfekten Schuss. Das Motiv, das Licht, die Perspektive, alles muss stimmen und dann muss auch noch das Equipment mitspielen. Aber dafür habe ich meine Leute. Sie warten meine Kamera und laden die Akkus während ich meine wohlverdiente Auszeit nehme und in meinem Körbchen die Seele baumeln lasse um die Inspiration für meine nächsten Kunstwerke zu sammeln. So eine eigene Homepage ist Arbeit, aber zum Glück nicht für mich. Das würde meine Kreativität auf ein schnödes Level der Technik reduzieren. Dafür hat Kater seine Leute, so dass ich meine Kreativität voll entfalten kann.

Soviel zu mir, nun zu meiner Geschichte. Jeden Tag drehe ich meine Runden durchs Revier. Gucken ob alles beim Alten ist, ob es allen gut geht und ob jemand ein Stück Wurst für mich raus gelegt hat. Manchmal mit Kamera, manchmal ohne. Mein Revier ist groß. Etwa 40.000 Kater-schritte Richtung Sonnenaufgang und 35.000 Schritte Richtung Sonnenhöchststand. Ich halte es gut in Schuss. Bei mir wohnen andere Katzen, und ich bin der Chef und kümmere mich gut um sie.

An einem sonnigen, schwülen Tag saß ich also in meinem Büro und überlegte, was ich tun sollte. Meinen Gang hatte ich schon gemacht, das Revier war in perfektem Zustand. Da hörte ich vor dem Fenster Geschrei. Menschen. Die meisten von ihnen ignoriere ich. Sie nehmen sich selbst wichtig genug, da muss ich das nicht auch noch tun. Doch hier wurde immer wieder ein Wort geschrieen, dass ich aus meinem letzten Leben noch all zu gut kannte: Verdammtes Katzenvieh!

So ein Wort in meinem Revier? Widerwillig stand ich auf und verließ mein sonniges Plätzchen. In wenigen Schritten war ich draußen, stieg auf den Brennholzstapel der Nachbarn um einen besseren Rundumblick zu bekommen und da sah ich sie: Die Ruhestörer! Der Mann mit dem lautesten Rasenmäher in der Umgebung und die Frau, die neben ihm wohnt. Er ließ sich unflätig über die Katze der Nachbarin aus und über alle Katzen und Vierbeiner überhaupt. Er war kurz davor zu hyperventilieren und lief rot an. Die Nachbarin hörte sich das Ganze eine Weile an, sagte dann etwas wie „Mäßigen Sie sich, Sie bekommen noch einen Herzinfarkt,“ und ging Heim. Was genau ein Herzinfarkt sein solle ist mir bis jetzt nicht klar, aber wenn er mit Herzinfarkt seinen Rasenmäher nicht mehr benutzen würde wäre ich einverstanden. Der Mann war noch immer rot im Gesicht und beugte sich jetzt gefährlich nah über seinen Teich, offensichtlich um mit den Tieren darin zu reden. Er murmelte etwas wie „Meine armen Kleinen... das wird nicht wieder passieren...“. Was hatten die Kois angestellt? Ich fand bisher immer, sie gehörten zu den langweiligeren Bewohnern meines Reviers. Ich legte mich also unter dem Walnussbaum auf die lauer. Ich muss wohl eingedöste sein, denn als ich wach wurde stand die Sonne tiefer. Ich hörte Maunzi verzweifelt Rufen. Sie ist meine direkte Nachbarin. Auch wenn sie nicht so perfekt getigert ist wie ich ist sie doch eine ganz Süße. Und außerdem sollte in meinem Revier niemand so verzweifelt maunzen. Ich ging also durch die Hecke und suchte sie. Auf ihrem Baum saß sie nicht und auch nicht auf der Terrasse, sondern in der Wohnung ihrer Leute. Die Türe war verschlossen. Durch die Scheibe konnte ich sie auf und ab tigern sehen. Sie schrie herzzerreißend: „Ich war das nicht! Das ist so gemein! Lasst mich wieder raus!“ Langsam nährte ich mich dem Fenster von der Seite, um mich vor eventuellen Angriffen zu schützen. Doch niemand lauerte mir auf. Ich erreichte Maunzi in ihrem gläsernen Gefängnis ohne Probleme. Kaum das sie mich sah rief sie: „Plinius! Ich war das nicht!! Ehrlich nicht!“ und ich hatte meine liebe Mühe die Kleine zu beruhigen. Es dauerte eine Weile aber dann bekam ich aus ihr heraus, dass der Nachbar ihr vorwarf einen Koi entführt zu haben, vielleicht sogar gefressen. Und damit das nicht noch mal passiert hatte man sie eingesperrt! Soviel zu unschuldig bis die Schuld bewiesen ist. Hier wurde noch nicht mal das Gerichtsverfahren abgewartet, die Kleine saß schon im Knast, ohne dass ermittelt wurde. Vorsichtshalber ließ ich mir ihre Geschichte noch mal erklären. „Sie sagen ich hätte einen Koi gefressen! Dabei weiß doch jede Katze, dass man nur Sachen fressen kann die kleiner sind als man selbst! Einen Tunfisch, oder eine Kuh, von mir aus auch noch ein Schwein, die wiegen alle höchstens 250 Gramm und auch nur mit dem Gelee zusammen, aber einen Koi! Der ist doch so schwer wie ich!“ Da hatte die Süße sehr gute Argumente. Totschlag-Argumente, sozusagen. Doch von Menschen konnte man im Moment wohl kein Verständnis verlangen. Eine Lösung musste her, und als Problemlöser blieb nur ich: Kater Plinius, der Reviervorstand.

Ich schnurrte Maunzi noch einmal durch die Scheibe zu und machte mich auf den Weg zum Tatort. Der Teich mit einigen fetten roten, gelben und orangenen Kois lag Mitten in meinem Revier. Er war langweilig. Keine normale Katze würde sich dort nasse Füße holen. An besonders warmen Tagen müffelte er schon zwei Gärten gegen den Wind nach Koischeiße. Ich umrundete den Teich zweimal in sicherer Entfernung, verdeckt durch große gelbe Blumen. Nichts. Kein Beweis für Maunzis Anwesenheit. Aber das war ja auch nicht zu erwarten gewesen.

Ich erkannte, dass hier im Moment nichts zu tun war, versuchte ein paar Beweisfotos vom Tatort zu machen und ging Heim. Zuhause werteten meine Leute die Bilder aus und amüsierten sich darüber, dass ich den Teich mehrfach umrundet hatte. Sie erkannten Beweisfotos nicht mal wenn man sie ihnen auf den Rechner lud.

Ich beschloss, dem Teich von nun an mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Mindestens dreimal am Tag beobachtete ich ihn aus dem sicheren Versteck unter der Leiter, die am Gartenhaus hing. Und es passierte: Nichts! Ein Teich ist eine langweilige Sache. Nicht dass ich das nicht schon vorher gewusst hätte. Doch einige Tage später, ich machte gerade meine Dämmerungsrunde, da wurde der Teich spannender. Diesmal kniete nicht der rotgesichtige Mann vor dem Wasser, sondern seine Frau. Leicht übergewichtig und mit eher kurzen Vorderbeinen gesegnet fischte sie mit einem großen Tuch im Wasser herum. Sie fluchte und wurde ganz nass, doch sie schaffte einen Koi aus dem Wasser und in eine kleine Wanne hinein. Dann schnaufte sie tief durch. Ich hatte es gleich gewusst! Keine normale Katze würde einen Koi fressen, so was Dummes machen nur Menschen. Andersrum gehörte diese Frau zu dem Haus mit dem Mann und dem Teich. Ob sie den Koi essen wollte? War das auch mit dem letzten passiert? Verständlich, dass sie das nicht zugegeben hat nachdem ihr Mann so ausgerastet war.....

Vorsichtig pirschte ich näher heran. Sie hatte mittlerweile aufgehört zu schnaufen und sich wieder auf zwei Beine erhoben. Ich nährte mich ihr bis auf etwa 18 Katerschritte. Das war erfahrungsgemäß die beste Entfernung für ein gutes Foto. Dann wartete ich. Meine Kamera hat einen Selbstauslöser der etwa alle 68 Sekunden auslöst. Ich stand ganz still um das Bild bloß nicht zu verwackeln. Das perfekte Beweisfoto darf nicht unscharf sein. Die letzte Abendsonne schien mir auf den Rücken, perfekt!! Ich wartete auf das leise klick, das mir verriet, das das Bild im Kasten war und wechselte dann die Perspektive. Ich machte eine ganz nette Serie Bilder von der Frau, wie sie den Koi erst im Becken auf die Veranda schleppte und dann in einer Tüte ins Auto brachte. Gute Idee. Weg mit dem Störenfried. Wenn keiner von diesen dummen Kois mehr da wäre, dürfte Maunzi bestimmt wieder raus. Aber damit wird der Mann wohl kaum einverstanden sein. Als das Auto um die Ecke hinter meinem Haus bog ging ich Heim. Ich setzte mich auf den Schreibtisch um zu verdeutlichen wie dringend eine sofortige Durchsicht des Beweismaterials war und wirklich, meine Menschin verstand. Sie speicherte meine Bilder auf ihrem Rechner und klickte ein wenig. Dann begann sie sich königlich zu amüsieren, nannte mich „Kleiner Spanner“ und beguckte sich die Bilder der Nachbarin ganz genau. Es ging für einen Menschen überraschend schnell, bis sie die Brisanz der Fotos erkannte. „Die Schaffen die Kois ab. Na endlich.“ kommentierte sie und ging ins Bad. Nur Sekunden später kam sie wieder daraus hervor geschossen. „Sag mal, sind das nicht seine? Die Kois meine ich!“ Ja, das sind seine. Ich nickte geduldig. „Warum kümmert sie sich um die Viecher? Ob mit ihm alles in Ordnung ist? Ich hab ihn schon Tage nicht gesehen.“ Nachdenklich kraulte sie mich unter dem Kinn. Ich schnurrte aufmunternd. „Ich glaub ich gehe mal rüber und frag nach.“ Naja, fast. Immerhin hatte sie die Wichtigkeit der Bilder erkannt und handelte sofort. Ich handelte ihr hinterher und gemeinsam gingen wir zum Gartenzaun und sie rief ein Hallo hinüber. Der Nachbar kam sofort und sicherheitshalber versteckte ich mich hinter meiner Menschin. „Gut Dich zu sehen. Hab mir schon Sorgen gemacht als deine Frau sich um den Teich gekümmert hat. Die Sabine von zwei Häuser weiter hat erzählt, dass es Dir in den letzten Tagen nicht so gut ging und dann sehe ich deine Frau an Deinem Teich, da hab ich mir Gedanken gemacht.“ Meine lächelt. Er nicht. Er legt die Stirn in Falten und fragt: „Wann hast du meine Frau was am Teich machen sehen?“ Also erzählt meine brav, was ich auf den Beweisfotos gesichert habe. Er wird erst blass und dann rot und dann schreit er nach seiner Frau. Sie kommt aus dem Haus und schreit auch. Etwas von „jetzt hast Du wenigstens Zeit Dich um mich zu kümmern. Aber du würdest mich ja nur wahrnehmen wenn ich einen Fischschwanz hätte!“ An diesem Punkt macht meine Menschin große Augen und guckt mich an. „Ups.“ sagt sie leise, schnappt mich schnell und wir verschwinden heimwärts. Das hat sie gut gemacht. Ich schnurre für sie.

Zwei Tage später war Maunzis Zeit als Gefangene beendet.

 

 

 

Katergeschichte die zweite:

Kater Plinius und der alte Hund

 

Für all diejenigen, die mir immer noch nicht glauben, dass mein Leben als Katerograf sehr aufregend ist, für die ist diese Geschichte:

In den letzten Tagen war es heiß, sehr heiß. Meine Menschen rissen jedes Fenster auf und freuten sich über jeden Luftzug. Ich verstehe nicht, warum sie nicht einfach eine Pause unter den schönen großen Tannen im hinteren Teil des Gartens machen, aber das ist ja ihr Problem. An diesem ganz speziellen Tag wartete ich auf einen erfrischenden Sommerregen. Er kündigte sich schon an und ich überlegte bereits, ob ich ins Haus gehen sollte, konnte mich aber nicht von meinem gemütlichen Bett aus Tannennadeln und Moos trennen. Also späte ich unter den tief hängenden Zweigen meiner Lieblingstanne hervor und guckte der Sonne zu, wie sie langsam hinter dem Nachbarhaus verschwand. In diesem Haus wohnt eine ältere Dame mit einem großen Hund. Aber der ist auch schon alt. Er sieht nicht mehr gut und seine Menschin hat ihn rund gefüttert. Sie kocht für ihn jeden Mittag Biohuhn mit Möhrchen. Und wenn man genau zur richtigen Zeit zufällig vorbeikommt, dann bekommt man auch etwas ab. Sehr bekömmlich. Sie mag mich, und der Hund duldet mich und ich ihn. An diesem Tag war ich ohne Kamera unterwegs, ich konnte also problemlos schnelle Bewegungen machen ohne das Verwackeln von Bildern zu befürchten. Daher beschloss ich, noch einmal bei den beiden vorbei zu sehen. An ihrem Haus stand jedes Fenster offen und es roch noch ein wenig nach diesen fürchterlichen Zigaretten die sie am Nachmittag zu ihrem Kaffee zu rauchen pflegt. Doch irgendwas stimmte hier nicht. Um diese Uhrzeit sollten die beiden vor dem Fernseher sitzen und sich eine Tüte Chips teilen. Aber ich hörte nichts. Vorsichtig schlich ich mich über die Terrasse und sprang auf das niedrige Fensterbrett des Wohnzimmerfensters. Und da sah ich es! Oh Katz oh Katz! Sie lag auf dem Boden und blutete! Auf ihrer Stirn war eine dicke Verletzung zu sehen und Blut tropfte auf das Linoleum! Neben seiner Menschin saß der dumme Hund und jaulte. Er guckte mich mit großen verzweifelten Augen an und jaulte! Hier musste ein Kater helfen. Ich sprang also vom Fensterbrett und schlich auf die beiden zu. Er machte einen Schritt zurück so dass ich einen Blick auf die Menschin werfen konnte. Sie atmete zu wenig, und das mit dem Blut war mir auch nicht geheuer. Vorsichtig stupste ich meine linke Vorderpfote in das Blut. Er war warm, feucht und klebrig. Das war nicht gut. Gar nicht gut. Und wenn etwas gar nicht gut ist, dann gehe ich nach Hause. Genau das habe ich auch in diesem Moment getan. Ich bin so schnell ich konnte zu meiner Menschin nach Hause gerannt und habe ihr alles vorgemaut! Ich habe gemaut so schnell ich konnte und was macht sie? Lächelt und sagt: „Ja mein Kleiner, ich sehe schon Du hattest einen spannenden Tag. Magst Du ein Leckerlie?“ Welch Frage, natürlich mag ich ein Leckerlie! Und ich mochte auch noch ein zweites Leckerlie aber eigentlich wollte ich ihr gerade was erzählen, nur sie verstand mal wieder nur Maumau! Doch dann endlich hatte ich eine sehr gute Idee. Ich hielt ihr mein noch immer blutverschmiertes Pfötchen entgegen. Das brachte sie auf Trapp. Sie schnappte mich, klemmte mich unter ihren Arm, stürmte das Bad und holte diese kleine Flasche mit der klaren Flüssigkeit hervor die so seltsam riecht. Geduldig wartete ich bis sie meine Pfote klinisch rein geputzt hatte. Das sparte mir ja auch Arbeit. Nach einer Weile stellte sie fest, dass ich jetzt also wirklich sehr sauber war und sie trotzdem keinen Kratzer gefunden hatte. Zum Glück ist meine Menschin für ihre Spezies schon als recht intelligent zu bezeichnen und sie fing daraufhin an sich zu wundern wo das Blut hergekommen sei. Oder ob ich durch Farbe gelaufen sei? Das ging mir alles zu langsam. Ich sprang also vom Waschbecken und lief zur Tür. Sie lief mir hinterher und überzeugte sich davon, dass ich nicht humpelte und öffnete mir dann die Türe nach draußen. Ich lief einige Schritte und kehrte dann zu ihr zurück. Das musste ich nur drei Mal machen, dann begriff sie was ich wollte und lief mir hinterher. Der Weg zu der netten Nachbarin ist mit einer Menschin im Schlepptau allerdings sehr kompliziert. Sie wollte weder über den Zaun steigen noch unter ihm hindurch kriechen und so mussten wir über den Bürgersteig gehen! Zum Glück sah sie auf der Terrasse bereits meine blutigen Fußabdrücke und ging zielstrebig auf das Wohnzimmerfenster zu, auf dessen Fensterbank ich vor kurzen noch gesessen hatte. Von hier aus sah sie die Nachbarin am Boden liegen, schrie auf und rannte los. Wenig später wimmelte es in dem kleinen Häuschen nur so von Menschen in roten und in grünen Jacken und alle flüsterten das Wort „Raubüberfall!“. Die Nachbarin wurde auf einer Trage davon gebracht und meine Menschin schloss alle Fenster und nahm den Hund mit nach Hause! In mein Zuhause! Also, da hörts doch wirklich auf! Dort angekommen legte er sich vor den Fernseher und blies Trübsal. Egal was ich tat, er guckte noch nicht mal auf. Das war ja nicht zum Aushalten! So jemanden zu Ärgern machte nun wirklich keinen Spaß. Außerdem triefte aus jeder seiner Poren das Selbstmitleid: „Was bin ich nur für ein Wachhund. Einbrecher und ich? Ich liege nur da und bin vor Schock ganz starr!“ „Bist halt auch nicht mehr der Jüngste“, versuchte ich ihn aufzubauen, doch er seufzte nur. Das ging zwei Tage so. Er saß mitten im Wohnzimmer und bedauerte die Welt und sich selbst. Dann kam er zu dem Ergebnis, dass er einfach nicht fit genug sei und das wars. Es kostete mich einiges an Überzeugungskraft ihm zu vermitteln, dass es nur nicht mehr gut im Training sei. Am vierten Tag seines Aufenthaltes bei uns kam er dann wirklich mit raus und fing an Sport zu treiben. Er rannte mir ein wenig hinterher und patroulierte am Zaun. Wenn er zu faul wurde und sich hinlegte, scheuchte ich ihn wieder auf. Nach einer Woche sah man schon, dass er ein wenig abgenommen hatte. Das könnte aber auch daran liegen, dass er nicht mehr jeden Abend eine halbe Tüte Chips fraß. Als sein Frauchen wieder nach Hause kam, hatte er sich eine neue Routine zugelegt, die er auch in ihrem Hause beibehielt. Wir sahen uns jetzt also öfter, denn er patroulierte jetzt auf seiner Seite am Gartenzaun entlang um fit zu bleiben. Guter Vorsatz. Ich half ihm dabei und jagte ihn mehrmals am Tag ein wenig auf und ab. Eigentlich verstanden wir uns prima. Als sich der Sommer dem Ende zuneigte, ging es seiner Menschin viel besser. Sie fütterte uns beide jeden Mittag auf der Terrasse und erfreute sich an seinem neuen Bewegungsdrang. Er trainierte für den Ernstfall, der auch wirklich bald kommen sollte. An einem der letzten warmen Abende lag ich wieder unter meiner Tanne und er lief am Zaun auf und ab. Plötzlich spitzte er die Ohren und schaute gebannt zu dem Haus auf der anderen Straßenseite. Dann machte er einen riesen Satz über den Zaun und rannte los. Das versprach spannend zu werden, ich ging ihm also hinterher. Als ich gegenüber ankam hatte er angefangen wie wild zu bellen und verfolgte einen Mann die Straße lang. Aber er war zu langsam! Da hatte er die ganze Zeit so tapfer für diesen großen Auftritt trainiert und dann das. Das war gemein. Ich entschied mich also, meine ganzen fünf Kilo Katerkampfgewicht in die Waagschale zu werfen und schmiss mich mit allem was ich hatte dem flüchtenden Menschen in den Weg. Das brachte ihn gerade so lange aus dem Gleichgewicht, dass der mittlerweile wie wild keuchende Hund sich auf ihn werfen konnte um dann über dem Menschen zu kollabieren. Nun hatte der Vierbeiner zwar schon einiges an Gewicht verloren, aber es reichte noch immer locker, um den Menschen am Boden zu halten. Ich ging also einige Schritte zurück und machte ein Foto von dem keuchenden Hund und dem unglücklichen Menschen.

Diese Bild hängt jetzt in der Wohnung der Nachbarin an einem Ehrenplatz, denn es zeigt wie ihr treuer Hasso den Einbrecher fängt, der sie einige Wochen zuvor zu Boden geschlagen hatte. So schlecht ist sein Geruchssinn dann wohl doch nicht, denn immerhin hat er den Bösewicht wieder erkannt und mit ein wenig Hilfe meinerseits sogar zu Strecke gebracht.

 

 

 

 

Der Katerograf